Wildschaden – Im Zweifel bitte nicht ausweichen!

Wildschaden – Im Zweifel bitte nicht ausweichen!

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Tiere kennen keine Verkehrsregeln. In 2013 wurden allein 200.000 Rehe bei Verkehrsunfällen getötet. Noch häufiger trifft es kleinere Tiere, wie Füchse und Hasen. Versucht der Autofahrer, dem Tier auszuweichen und einen Wildschaden zu vermeiden, riskiert er Unfälle mit entgegenkommenden Autos oder Bäumen am Straßenrand. Im Grundsatz empfehlen Experten, notfalls lieber einen Aufprall mit dem Tier zu riskieren, als andere Verkehrsteilnehmer und damit auch sich selbst zu gefährden. Kommt es zum Zusammenstoß mit Wild, stellt sich die Versicherungsfrage. Da die Versicherungsbedingungen und damit die Haftungsfrage komplex sind, empfiehlt sich die Beratung durch einen kompetenten Rechtsanwalt. Nur so kann der Geschädigte Waffengleichheit mit dem Versicherer herstellen. Versicherungsunternehmen bezweifeln naturgemäß gerne den Unfallhergang.

Nur der echte Wildschaden zählt

Besitzt der Autofahrer nur eine Kfz-Haftpflichtversicherung, muss er den Wildschaden selbst zahlen. Nur in Ausnahmefällen, wenn dem Bauern die Kuh ausgebüxt ist, kommt eine Haftung des Bauern als Tierhalter oder die Haftung des Tieraufsehers in Betracht (§§ 833, 834 BGB). Besteht eine Teilkaskoversicherung, ist der Wildschaden gemäß § 12 I d AKB versichert, wenn er „durch den Zusammenstoß des in Bewegung befindlichen Fahrzeuges mit Haarwild im Sinne der abschließenden Aufzählung des § 2 Abs. 1 Nr. 1 Bundesjagdgesetz sowie mit Pferden, Rindern, Schafen oder Ziegen“ verursacht wurde. Teils werden Versicherungsbedingungen aber auch erweitert, so dass es je nach Tarif nicht darauf ankommt, um welche Art von Tier, wildes oder gezähmtes Tier, behaartes oder unbehaartes Tier es sich handelt.

Wild ist Haarwild. Federvieh ist kein Wild.

Stellen die AKB (Allgemeine Bedingungen für die KFZ-Versicherung) auf Haarwild ab, zählt nur der Zusammenstoß mit Haarwild als Wildschaden. Zum Haarwild zählen Reh, Hirsch, Fuchs, Wildkatzen und Wildscheine. Federvieh wie Enten, Gänse, Wildgänse und Hühner sowie Zusammenstöße mit gezähmten Tieren (Haustiere) begründen keinen Wildschaden. Auch kommt es auf die Größe des Tieres an. Wer wegen eines kleinen Eichhörnchens abbremst und einen Auffahrunfall verursacht, muss einen Teil der Kosten selbst tragen. Kleintiere sind nämlich kein Grund für eine Bremsung, da dadurch bedingte Unfälle vermeidbar gewesen wären, „auch wenn dies zulasten des Eichhörnchen geht“ (so AG München 331 C 16026/13). Außerdem muss der Zusammenstoß mit dem in Bewegung befindlichen Fahrzeug erfolgt sein. Dabei soll es keine Rolle spielen, ob auch das Tier in Bewegung war oder bereits tot auf der Straße lag. Schäden infolge von Brems- und Ausweichmanövern werden nicht ersetzt. Wer an den Baum ausweicht, kann keinen Wildschaden reklamieren. Besteht eine Vollkaskoversicherung, deckt diese je nach Tarif alle Tierarten und Schäden ab. So wird der Schaden ungeachtet der Haftung des Hundehalters entschädigt, wenn in der Großstadt ein Hund vor den Wagen läuft oder der Autofahrer dem Tier ausweicht und an den Baum fährt.

Wildschaden ist meldepflichtig

Um den Versicherungsschaden geltend zu machen, ist der Autofahrer verpflichtet, den Verkehrsunfall unverzüglich der Polizei zu melden. Diese informiert den Jagdpächter, der eine Wildunfallbescheinigung ausstellt. Diese Bescheinigung ist dem Versicherer vorzulegen. Bei größeren Schäden erstellt die Polizei ein Unfallprotokoll und sucht nach relevanten Beweisen zum Unfallhergang. Wurde das Tier nur angefahren und ist im Wald verschwunden, müssen Fahrzeug und Umgebung nach Haarrückständen oder anderen Spuren abgesucht werden. Nur so lässt sich beweisen, dass es sich tatsächlich um einen Wildunfall handelte. Im Zweifel immer den Anwalt fragen.

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