Betriebsveräußerung: Steuerliche Behandlung und Vergünstigungen

Betriebsveräußerung: Steuerliche Behandlung und Vergünstigungen

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Steuerrecht BetriebsveräußerungUnternehmer, die sich beruflich neu orientieren möchten oder schlichtweg aus Altersgründen ihr Unternehmen veräußern wollen, sollten über steuerliche Auswirkungen des Verkaufs informiert sein. Bei der Beendigung werden nämlich häufig hohe stille Reserven (z.B. in Grundstücken) aufgedeckt. Die Einkünfte, das zu versteuernde Einkommen und der individuelle Steuersatz des Steuerpflichtigen steigen an.

Steuerliche Vergünstigungen sollten daher bei Beendigung der unternehmerischen Tätigkeit unbedingt ausgenutzt werden.

 

Betriebsveräußerung oder Betriebsaufgabe

Der § 16 EStG unterscheidet zunächst die Betriebsveräußerung und die Betriebsaufgabe. Eine Betriebsveräußerung im Ganzen liegt vor, wenn alle wesentlichen Betriebsgrundlagen gegen Entgelt auf einen Bewerber übertragen werden. Eine Betriebsaufgabe im Ganzen hingegen setzt voraus, dass alle wesentlichen Betriebsgrundlagen auf verschiedene Erwerber übertragen oder ins Privatvermögen überführt werden. Es stellt sich hier die Frage, ob das jeweilige Wirtschaftsgut eine wesentliche Betriebsgrundlage darstellt.

Ob das der Fall ist, klärt man anhand einer sogenannten funktional-quantitativen Betrachtungsweise:

  • funktionale Betrachtung: Wirtschaftsgüter, die nach ihrer Funktion zur Erreichung des Betriebszwecks erforderlich sind und ein besonderes wirtschaftliches Gewicht für die Betriebsführung besitzen
  • quantitative Betrachtung: Wirtschaftsgüter, in denen erhebliche stille Reserven ruhen

Beispiel: Bei einer Betriebsveräußerung gingen bis auf ein Grundstück in Berlin am Potsdamer Platz (gemeiner Wert 1.000.000 €; wurde ins Privatvermögen überführt) alle Vermögensgegenstände und Schulden auf den Erwerber über. Das Grundstück lag brach. Funktional betrachtet, diente es also nicht dem Betriebszweck. Durch den hohen gemeinen Wert des Grundstücks kann man allerdings von erheblichen stillen Reserven ausgehen. Das Grundstück stellt damit eine wesentliche Betriebsgrundlage dar. Damit scheidet eine Betriebsveräußerung im Ganzen nach § 16 Abs. 1 EStG aus. Vielmehr kommt eine Betriebsaufgabe im Ganzen nach § 16 Abs. 3 EStG in Betracht.
 

Veräußerungsgewinn

Wie sich der Veräußerungsgewinn berechnet, wird im § 16 Abs. 2 EStG normiert. Danach wird zum Veräußerungspreis der gemeine Wert, der nicht mit veräußerten in das Privatvermögen überführten Wirtschaftsgüter hinzugerechnet (z.B. der gemeine Wert eines PKW, der ins Privatvermögen überführt wird). Davon werden Veräußerungskosten und der Wert des Betriebsvermögens (Eigenkapital) abgezogen.
 

Freibetrag

Spannender wird es, wenn man sich den Freibetrag im § 16 Abs. 4 EStG ansieht. Mit dem Freibetrag möchte der Gesetzgeber insbesondere die „Lebensleistung“ von Unternehmern würdigen, die sich zur Ruhe setzen wollen. Daher ist der Freibetrag auch an einige Voraussetzungen geknüpft. So muss der Steuerpflichtige das 55. Lebensjahr vollendet haben oder dauernde Berufsunfähigkeit nachweisen. Der Freibetrag wird zudem nur auf Antrag und auch nur einmal im Leben (personal- und objektbezogen) gewährt.

Die Höhe des Freibetrags beträgt 45.000 €. Der Freibetrag ermäßigt sich allerdings um den Betrag, um den der Veräußerungs-/Aufgabegewinn 136.000 € übersteigt (Ermäßigungsbetrag).

Beispiel: Der Veräußerungsgewinn beträgt 160.000 €, übersteigt damit 136.000 € um 24.000 €. Zieht man die 24.000 € vom grundsätzlichen Freibetrag in Höhe von 45.000 € ab, steht dem Steuerpflichtigen letztlich ein Freibetrag in Höhe von 21.000 € zu.
 

Tarifbegünstigung

Eine weitere Besonderheit bei dem Veräußerungstatbestand des § 16 Abs. 1 oder Abs. 3 EStG ist die Tarifbegünstigung gem. § 34 EStG, wonach sich die zu zahlende Einkommensteuer vermindert. Steuerpflichtigen stehen 2 Möglichkeiten der Tarifbegünstigung zur Auswahl – die Fünftelmethode oder der ermäßigte Steuersatz. Wie sich die Einkommensteuer bei beiden Methoden berechnet, ist für Laien aus dem Gesetzestext kaum abzuleiten. Deswegen können sie auch schwer einschätzen, welche Methode für ihren individuellen Fall sinnvoll ist. Der Rat eines Fachanwalts für Steuerrecht ist an dieser Stelle oftmals besonders wertvoll.

Fünftelmethode gem. § 34 Abs. 1 EStG in 4 Schritten erklärt

  1. tarifliche Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen ermitteln, das die außerordentlichen Einkünfte nicht enthält
  2. tarifliche Einkommensteuer auf das zu versteuernde Einkommen + ein Fünftel der außerordentlichen Einkünfte ermitteln
  3. den Unterschiedsbetrag der beiden Steuerbeträgen aus 1. und 2. mit 5 multiplizieren
  4. Einkommensteuer aus 1. und 3. addieren

Ermäßigter Steuersatz gem. § 34 Abs. 3 EStG in 5 Schritten erklärt

Um den ermäßigten Steuersatz anwenden zu können, müssen besondere Voraussetzungen erfüllt sein. Der Steuerpflichtige muss das 55. Lebensjahr vollendet haben oder dauernde Berufsunfähigkeit nachweisen. Der ermäßigte Steuersatz kann zudem nur einmalig auf Antrag für Gewinne bis 5 Mio. € angewendet werden.

  1. Einkommensteuerschuld auf das gesamte zu versteuernde Einkommen ermitteln
  2. durchschnittlichen Steuersatz ermitteln
  3. durchschnittlichen Steuersatz mit 0,56 multiplizieren und auf Veräußerungsgewinn anwenden (mindestens 14 %)
  4. Einkommensteuer auf das restliche zu versteuernde Einkommen ermitteln
  5. Einkommen aus 3. und 4. addieren

 

Gewinnrealisierung bei unterschiedlichen Zahlungsarten

Grundsätzlich wird der Gewinn mit Veräußerung bzw. Aufgabe des Betriebs realisiert. Kompliziert wird es allerdings, wenn Verkaufspreis vom Erwerber in Raten oder Renten gezahlt wird.

Gewinnbesteuerung bei Ratenzahlung

Der Veräußerungsgewinn bei einer Ratenzahlung berechnet sich aus dem Barwert des Veräußerungspreises abzüglich Eigenkapital und dem Freibetrag.

Beispiel: Ein Steuerpflichtiger verkauft sein Unternehmen für 300.000 € (150.000 € Eigenkapital; 45.000 € Freibetrag). Der Erwerber zahlt den Kaufpreis in 5 Jahresraten. Der Barwert des Veräußerungspreises beträgt 263.280 € und berechnet sich aus der Höhe einer Rate multipliziert mit dem Vervielfältiger 4,388 für 5 Jahre gem. Anlage 9a zu § 13 BewG. Abzüglich des Eigenkapitals und des Freibetrags entsteht so also ein steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn in Höhe von 68.280 €.

Letztlich erhält der Steuerpflichtige neben dem Veräußerungsgewinn auf Basis des Barwerts aber auch noch einen Zinsanteil der Raten, die als Einkünfte aus Kapitalvermögen ebenso zu versteuern sind.

Gewinnbesteuerung bei Rentenzahlung

Es besteht ebenso die Möglichkeit, dass der Steuerpflichtige Rentenzahlungen für die Betriebsveräußerung erhält. Hier hat der Steuerpflichtige ein Wahlrecht. Er kann die Renten sofort tarifbegünstigt besteuern (häufigster Praxisfall) oder er kann die Rentenzahlungen als nachträgliche, laufende gewerbliche Einkünfte über die Zuflussbesteuerung versteuern.
 

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Eine Betriebsveräußerung wirft neben steuerrechtlichen Problemen oftmals auch gesellschaftsrechtliche und arbeitsrechtliche Fragestellungen auf. Um umfassend beraten zu sein, empfiehlt es sich, die Hilfe eines kompetenten Unternehmensanwalts in Anspruch zu nehmen.
 

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1 Kommentar

  1. Nachfolgeregelung2

    Vielen Dank für die vielen Hinweise, die beim Unternehmensverkauf zu beachten sind!

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