Schadensabrechnung nach Unfall – Richtig handeln und Fehler vermeiden!

Schadensabrechnung nach Unfall – Richtig handeln und Fehler vermeiden!

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Wer Auto fährt, unterliegt dem Betriebsrisiko, in einen Unfall verwickelt zu werden. Auch wenn das Auto des Deutschen liebstes Kind ist, ist es keine heilige Kuh. Jeder Unfallgeschädigte hat Anspruch auf Schadensersatz, darf aber dennoch nicht erwarten, dass alles wieder so wird, wie es war. Dieser Beitrag informiert …

 

 

 

•  Was sind die ersten Schritte nach dem Unfall?
•  Welche Schadenspositionen bestimmt die Schadensabrechnung?
•  Was tun bei Unfällen mit im Ausland zugelassen Fahrzeugen?
•  Was tun bei Unfallflucht?

 

Schadenspositionen in der Schadensabrechnung

Sachverständigengutachten: Der Geschädigte darf einen Sachverständigen seiner Wahl zur Beweissicherung und Feststellung von Schadenumfang und Schadenhöhe beauftragen. Diese Möglichkeit besteht auch dann, wenn der Versicherer bereits einen eigenen Sachverständigen bestellt hat. Die Kosten für das Sachverständigengutachten sind erstattungspflichtig. Lediglich bei Bagatellschäden mit einer Schadenhöhe bis ca. 1.000 Euro genügt als Schadensnachweis der Kostenvoranschlag einer Fachwerkstatt. Der Gutachter sollte öffentlich bestellt und vereidigt sein. Nur unabhängige Gutachter sind objektiv. Die Schadenschnelldienste der Versicherer sind mit Vorsicht zu genießen. Sie versprechen eine bequeme Regulierung, gewährleisten aber nicht, dass bei der Schadensabrechnung sämtliche Schadenspositionen tatsächlich zu Gunsten des Geschädigten berücksichtigt werden.

Fiktive Schadensabrechnung: Der Geschädigte kann sein Fahrzeug bei einer Werkstatt seiner Wahl reparieren lassen, ist jedoch nicht verpflichtet, sein Fahrzeug tatsächlich zur Reparatur zu geben. Es geht den Schädiger nichts an, ob er sein beschädigtes Fahrzeug repariert, verkauft, unrepariert in Zahlung gibt oder selbst teilrepariert oder unrepariert weiter benutzt. Der Versicherer muss jedenfalls den im Sachverständigengutachten ermittelten Reparaturkostenaufwand erstatten. Die Mehrwertsteuer ist nur erstattungsfähig, wenn das Fahrzeug tatsächlich repariert wird oder der Geschädigte vorsteuerabzugsberechtigt ist.

Totalschadenabrechnung: Der Geschädigte darf sein Fahrzeug bis 30 % über dem im Gutachten veranschlagten Kostenaufwand reparieren lassen. Sein Integritätsinteresse rechtfertigt es, sein Fahrzeug auch dann reparieren zu lassen, wenn es wirtschaftlich unvernünftig erscheint (z.B. Oldtimer).

Nutzungsausfallentschädigung: Verzichtet der Geschädigte auf einen Mietwagen, kann er für die Dauer der Reparatur Nutzungsausfallentschädigung verlangen. Ihre Höhe richtet sich nach dem Fahrzeugtyp. Dessen Eingruppierung, nach der sich die Höhe des Nutzungsausfalls bestimmt, ergibt sich aus dem Sachverständigengutachten.

Schadensabwicklung über Rechtsanwalt: Zur Durchsetzung seiner Ansprüche kann der Geschädigte einen Rechtsanwalt seines Vertrauens beauftragen. Dessen Kosten sind erstattungspflichtig. Dessen Beauftragung ist auch unbedingt empfehlenswert, da nur so die Chance besteht, Leistungsverweigerungen und Kostenkürzungen durch die Haftpflichtversicherung entgegenzutreten.

Nach dem Unfall heißt es: Vorsicht, jetzt geht’s ums Geld!

Nach einem Verkehrsunfall ist der Unfallverursacher als Versicherungsnehmer verpflichtet, innerhalb einer Woche schriftlich seinen Haftpflicht- oder Kaskoversicherer zu informieren. Im Rahmen der Regulierungsbefugnis ist der Versicherer bevollmächtigt, den Unfall nach eigenem Ermessen abzuwickeln. Unfallgeschädigte haben eine Reihe von Ansprüchen. Die Schadensabrechnung sollte angesichts der Komplexität des Verkehrsrechts und aus Gründen der Waffengleichheit gegenüber der Haftpflichtversicherung einem Anwalt, möglichst einem Fachanwalt für Verkehrsrecht, übertragen werden. Will der Versicherungsnehmer die eigene Kaskoversicherung in Anspruch nehmen, sollte er seinerseits auf Beweissicherung bedacht sein. Beim Wildschaden sind Wildhüter oder Polizei zu benachrichtigen. Wurde auf dem Parkplatz die Stoßstange zerkratzt, sollten Fotos angefertigt und die Namen von Zeugen festgehalten werden.

Unfälle mit im Ausland zugelassenen Fahrzeugen

Wurde der Haftpflichtschaden durch ein im Ausland zugelassenes Fahrzeug verursacht, haften neben dem (oft nicht direkt greifbaren) Schädiger und dessen ausländischer Haftpflichtversicherung auch der Verein Deutsches Büro Grüne Karte e.V. . Diese in Hamburg ansässige Institution übernimmt die Pflichten eines Haftpflichtversicherers und wickelt den Schadensfall in Deutschland vollständig ab. Ist der Schädiger aufgrund von Unfallflucht nicht zu ermitteln oder ist er nicht haftpflichtversichert und zahlungsunfähig, kann der Geschädigte auf die Verkehrsopferhilfe e.V. zurückgreifen und seinen Schaden geltend machen.

 

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