Unfallbericht - Selbstfahrende Fahrzeuge!

Unfallbericht – Selbstfahrende Fahrzeuge!

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Heinz Erhard (Komiker 1909 – 1979) hätte seinen Spaß gehabt. Die Sachbearbeiter der Bußgeldbehörden staunen tagtäglich aufs Neue, wenn sie einen Unfallbericht oder die Stellungnahme von Verkehrssündern lesen, mit denen manche versuchen, ihr Vergehen im Straßenverkehr zu rechtfertigen. Insoweit lässt sich die Brücke zum Anwalt schlagen. In folgenreichen Verkehrssachen kann nur dringend geraten werden, Stellungnahmen möglichst nur nach Akteneinsicht durch den beauftragten Anwalt abzugeben. Jedes Wort kann dazu führen, dass ein an sich zweifelhafter Vorwurf erhärtet wird und im Nachhinein kaum mehr eine sinnvolle Rechtsverteidigung möglich ist.

Unfallberichte sind wahre Offenbarungen menschlicher Schwächen

Da kam der „Fußgänger plötzlich vom Bürgersteig ab und verschwand wortlos unter meinem Wagen“. Ein anderer behauptete, …“ich bin vor meinem ersten Unfall und nach dem letzten immer unfallfrei gefahren“. Glück hatten anscheinend auch die Polizeibeamten, die den Unfall aufnahmen: „Sie bekamen von der Braut alles gezeigt, was sie sehen wollten“. Ein besonders rechtschaffener Verkehrsteilnehmer behauptete: …“Ich habe noch nie Unfallflucht begangen. Im Gegenteil, ich musste immer weggetragen werden“. Besonderes Pech hatte dieser Fahrer: …“In hohem Tempo näherte sich mir die Telegrafenstange. Ich schlug einen Zick-Zack-Kurs ein, dennoch traf mich die Stange am Kühlgerät“ (Quelle: RP Kassel). Da soll mal einer sagen, Verkehrssünder hätten kein Unrechtsbewusstsein. So wie der Fahrer, der …“gegen die Mauer prallte und dann ganz unbewusst wurde“.

Ein Auto kann eine Waffe sein

Autofahren ist und bleibt eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wer hinterm Steuer sitzt, muss wissen, dass er ein „gefährliches Werkzeug“ führt. Ein Auto kann durchaus als Waffe missbraucht werden. Die Rechtsprechung betrachtet ein fahrendes Kraftfahrzeug, das zur Verletzung einer Person eingesetzt wird, in der Regel als ein gefährliches Werkzeug, das den Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung (§ 224 I Nr. 2 StGB) verwirklicht. Insoweit macht es keinen Unterschied, ob das Opfer mit einer Pistole oder einem Auto um die Ecke gebracht wird.

Selbstfahrende Smartphones als Schrecken der Straßen?

Früher waren unbeherrschbare Seeräuber die Schrecken der Meere. Neuerdings darf man gespannt sein, wie die Rechtslage aussieht, wenn die „selbstfahrenden Autos“ über unsere Straßen rollen. Erste Versuchsstrecken sind in der Planung. Dann heißt es im Verkehrsfunk: …“Vorsicht, selbstfahrender PKW auf der A8 unterwegs, bitte fahren Sie rechts und erschrecken Sie nicht“. Passiert ein Unfall, fragt sich, wer verantwortlich ist. Im Prinzip natürlich derjenige, der das Fahrzeug in Bewegung setzt und über die Elektronik steuert. Wie ist es mit der Verantwortung desjenigen, der die Elektronik konstruiert hat? Haftet er für Verkehrsvergehen, die die Elektronik überfordern? Hätte der Fahrer eingreifen müssen oder können? Vielleicht findet sich in der Unfallakte dann eine Stellungnahme wie diese: …“Ich wollte den Wagen ernsthaft abbremsen. Ich habe gekämpft wie ich nur konnte, aber es half nichts. Ich prallte zusammen mit meinem Wagen an die Zaunmauer und wurde völlig unbewusst. Vorbei war es mit meiner Gesinnung“ (Quelle: RP Kassel). Gleichermaßen erschreckend erscheint, dass moderne Autocomputer mehr Daten speichern als das erste Raumschiff zum Mond („Smartphone auf Räder“). Bordcomputer sammeln alle Daten, die ein lückenloses Bewegungsprofil ermöglichen. Neuwagenkäufer stimmen im Kaufvertrag meist nichtsahnend zu, dass der Hersteller die Daten nutzt. Der potentielle Zugriff von Autowerkstätten, Versicherungen, Polizei und Bußgeldbehörden oder gar Ehepartnern lässt Schlimmes befürchten.

1 Kommentar

  1. Trautmann

    Der Technikwahn lässt Menschen nur noch als Mittel zum Zweck erscheinen. Ein schöner Artikel. Wenn er nicht so ernst wäre, würde ich noch eine Zeit lang länger lachen.

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