Schön warm - Heizpflicht für Dixi-Klos?

Schön warm – Heizpflicht für Dixi-Klos?

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Während sich Außenpolitiker angesichts der Entwicklung der Machtblöcke Gedanken um das Risiko eines dritten Weltkrieges machen, brüten die Beamten im Arbeitsministerium über die „Heizpflicht für Dixi-Klos“. Wer als Bauarbeiter betroffen ist, kann dafür durchaus gute Gründe anführen. Im tiefsten Winter auf einer eiskalten Dixi-Klobrille sitzen zu müssen, ist echt keine Spaßarbeit. Da hilft auch warm anziehen nichts. Und Europäer verbringen in 65  Jahren Lebenszeit immerhin 184 Tage auf der Toilette. Bauarbeiter vielleicht noch mehr. Aber der Reihe nach.

Die Arbeitsstättenverordnung dient der Arbeitssicherheit und das ist gut so

Im Blickfeld steht die „Arbeitsstättenverordnung“. Sie bestimmt, was der Arbeitgeber zu beachten hat, wenn er Arbeitsstätten einrichtet und betreibt. Vor allem muss er die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten im Auge haben. Kommt es dabei zu einem Unfall (fehlende Absicherung auf Baugerüst), haftet er dem verunfallten Arbeitnehmer auf Schadenersatz. Da das Gesetz eine ständige Gefährdungsbeurteilung vorschreibt, muss der Arbeitgeber regelmäßig überprüfen, ob Arbeitsräume, Pausen-, Bereitschafts- und Sanitärräume, Beleuchtung, Belüftung und innerbetriebliche Verkehrswege, aber auch Baustellen den Vorgaben gerecht werden. Die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten (Arbeitsstättenregeln, ASR)“, die vom „Ausschuss für Arbeitsstätten“ (ASTA) erarbeitet werden, erläutern, worauf es im Einzelfall ankommt.

Auf dem Dixi-Klo friert alles ein und das ist ein Problem

Und genau hier fühlt sich der Gesetzgeber befleißigt, den technischen Fortschritt einzuleiten. Bauarbeiter wehklagten vermehrt über Blasenentzündungen und Hämorrhoiden. Als Ursache wurden im Winter unbeheizte Dixi-Klos auf den Baustellen ausgemacht. Wer dort sein unaufschiebbares Geschäft verrichten will, wird in den Wintermonaten von der Kälte wortwörtlich in den Hintern gebissen. Einige sollen auch festgefroren sein. Im Entwurf der neuen Verordnung war vorgesehen, die Dixi-Klos künftig mit einer Heizung auszustatten. Ob es im Hochsommer dann auch „Air Condition“ gibt, ist dem Entwurf nicht zu entnehmen. Um der bestehenden Rechtslage gerecht zu werden, müssten die Dixis zur Vermeidung unnötiger Energieverluste konsequenterweise wohl auch außen sowie in Richtung Fundament und Dach gedämmt werden. Aber auch damit lässt sich das Problem kaum lösen, dass infolge des Öffnens und Schließens des Klohäuschens die aufbereitete Wärme sofort nach außen drängt und bei starker Benutzung unter hohen Wärmeverlusten fortlaufend beheizt werden müsste. Außerdem sollten Arbeitsräume, Sanitär-, Pausen- und Bereitschaftsräume und damit auch Dixi-Klos eine Sichtverbindung nach außen haben. Als Sinn lässt sich vermuten, dass der Aufenthalt auf dem Dixi-Klo noch ertragreicher verläuft, wenn der Benutzer den Kollegen bei der Arbeit zuschaut.

Die Dixi-Klo-Heizpflicht wird nochmal geprüft und das ist gut so

Zum 1. März 2015 sollte die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) daher in einer ganzen Reihe von Vorschriften geändert werden. Unter anderem war vorgesehen, dass Dixi-Klos auf Baustellen mit 18 °C geheizt werden müssten. Verstöße sollten 600 € Bußgeld kosten. Doch damit wird es erstmal nichts. Unternehmer wehrten sich gegen diese teils absurden Vorgaben und sorgten sich vor überbordender Bürokratie. Frau Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) muss nach einer Intervention des Kanzleramts den „Doppel-Null-Entwurf jetzt nochmals überarbeiten. Da Baustellen gefahrenträchtig sind, gibt es selbstverständlich nichts zu kritisieren, wenn auf Unfallschwerpunkte abgestellt wird. Dass ein Dixi-Klo einen Unfallschwerpunkt bildet, wird sich kaum ernsthaft begründen lassen. Um den Energieverbrauch einzudämmen, wäre Frau Ministerin zu empfehlen, auf das Forschungsprojekt „aus Urin Strom erzeugen“ zurückzugreifen. Wissenschaftler nutzen biochemische Vorgänge durch Bakterien, die sich von Urin oder Biomasse ernähren und daraus Energie gewinnen. Bei jedem Toilettengang entsteht Energie, die zur Beleuchtung der Kabinen dient. Sicher kann sie auch zur Wärmeerzeugung eingesetzt werden. Wer viel pinkelt und ordentlich kullert, bekommt´s dann richtig warm.

1 Kommentar

  1. Trautmann

    Genial, der Text. Es ginge aber auch anders. Dann darf auf Baustellen nur noch in der Zeit vom 1.4. bis 31.11. des Jahres gearbeitet werden. Wirds kalt, ist Schicht am Bau.

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