Scheidung - Alles geklaert?

Scheidung – Wie vorgehen?

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Divorce and child custodyScheiden tut weh. Dennoch wurden in 2013 in Deutschland 169 800 Ehen geschieden. Immerhin waren dies 5,2 % weniger als 2012. Dennoch ist davon auszugehen, dass etwa 36 % aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Laufe der nächsten 25 Jahre geschieden werden. Seit 2008 war fortlaufend das „verflixte“ siebte Ehejahr das häufigste Scheidungsjahr. In 2013 betrug die Zahl der Scheidungen nach sechs Jahren Ehe 8.900 Fälle (5,2 % aller Scheidungen in 2013, jedoch ohne Einbeziehung des Trennungsjahres; Quelle: Statistisches Bundesamt).

Szenen einer Ehe: Zerrüttung – Scheitern – Trennung – Scheidung

Die Ehe ist nicht unauflöslich. Sie endet entweder durch den Tod eines Ehepartners oder durch Scheidung. Nur das Familiengericht kann die Scheidung aussprechen. Jede Scheidung setzt voraus, dass die Ehe gescheitert ist. Auf ein Verschulden eines Ehepartners kommt es nicht mehr an. Die Ehe ist gescheitert, wenn sie zerrüttet ist. Das Zerrüttungsprinzip hat das früher maßgebliche Verschuldensprinzip abgelöst.Die Ehe ist zerrüttet, wenn die eheliche Lebensgemeinschaft aufgehoben ist und nicht mehr erwartet werden kann, dass einer der Ehepartner diese wiederherstellen möchte. Solange die Partner noch eine gemeinsame Zukunft sehen, ist die Ehe nicht gescheitert. Die einseitige Zerrüttung aus der Sicht eines Ehepartners genügt. Jede Scheidung setzt die Trennung der Ehepartner voraus. Soll die Scheidung beim Familiengericht beantragt werden, muss die Zeit der Trennung berücksichtigt werden. Wird die Scheidung zu früh beantragt, wird das Familiengericht den Scheidungsantrag zurückweisen. Die Zeitberechnung richtet sich vornehmlich danach, ob beide Ehepartner die Scheidung beantragen (einvernehmliche Scheidung) oder nicht (streitige Scheidung).

Beantragen beide Ehepartner die Scheidung einvernehmlich, kann vor Ablauf  des Trennungsjahres die Scheidung nur ausgesprochen werden, wenn besondere Umstände vorliegen. Erst nach Ablauf des Trennungsjahres gilt die Ehe als gescheitert. Widerspricht ein Ehepartner der Scheidung,  kann der Familienrichter die Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahres nur im Ausnahmefall feststellen. Nach Ablauf des Trennungsjahres und bis zum Ablauf von drei Jahren muss das Familiengericht das Scheitern der Ehe konkret prüfen. Das Scheitern kann dann durch Beweisantritt festgestellt werden. Nach drei Jahren Trennung gilt die Ehe unwiderlegbar als gescheitert. Dann kann die Scheidung ohne weitere Prüfung auch gegen den Willen des anderen Ehepartners ausgesprochen werden.

Keine Scheidung ohne Anwalt

Die Scheidung einer Ehe kann nur durch richterliches Urteil festgestellt werden. Zuständig ist das Familiengericht. Dessen örtliche Zuständigkeit richtet sich danach, ob die Ehepartner noch in der Ehewohnung leben oder gemeinsame Kinder haben. Regelmäßig ist das Familiengericht zuständig, in dessen Bezirk der Partner mit den Kindern lebt. Gibt es keine Kinder und leben die Ehegatten getrennt, ist das Familiengericht zuständig, bei dem der Scheidungsantrag zuerst eingereicht wird.  Vor den Familiengerichten besteht Anwaltszwang. Dies hat gute Gründe. Der Anwalt hat die Aufgabe, die mit einer Scheidung einhergehenden Emotionen zu kanalisieren und die maßgeblichen Sachverhalte in objektiver Form dem Gericht vorzutragen. Steht die Scheidung tatsächlich unausweichlich an, sollte jeder Ehepartner vorzeitig anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen. Gerade bei einer Scheidung ist es zweckmäßig, im Vorfeld die Weichen so zu stellen, dass das Scheidungsverfahren möglichst komplikationslos verläuft und im Interesse beider Ehepartner zielgerichtet abgewickelt werden kann.

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2 Kommentare

  1. Klemens S.

    Mich würde mal interessieren, welchen Marktanteil die Online Scheidung mittlerweile eingenommen hat. In Zeiten in denen das Telefon mit Internetzugang / Mailzugang quasi immer am Mann ist, sparen sich viele Kunden auch heutzutage den Gang zum Anwalt. Wahrscheinlich jedoch ist der Markt noch viel zu klein um Beachtung zu finden…

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    • S. Wallbaum
      Jurato

      Laut der Wirtschafts Woche vom 26. Februar 2015 sind Online-Scheidungen „längst ein Riesengeschäft“. Im Schnitt werden pro Monat rund 13.500 Ehen geschieden. Das Keyword „Scheidung“ erreicht bei Google durchschnittlich 22.200 Suchanfragen pro Monat. Hingegen erreicht das Keyword „Online Scheidung“ nur durchschnittlich 1.300 Suchanfragen pro Monat. Aber gerade bei einer einvernehmlichen Scheidung ist die Online-Scheidung für viele Noch-Ehepartner häufig ein kostengünstiger und unkomplizierter Weg. Genaue Informationen zum Marktanteil konnten wir leider nicht finden.

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