Testamentsvollstreckung – Was Erblasser und Erben wissen sollten!

Testamentsvollstreckung – Was Erblasser und Erben wissen sollten!

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Mit dem Familienfrieden ist es oft vorbei, wenn sich die lieben Erben über den Nachlass streiten. Dann nützt das bedächtigste Testament nichts. Der Wille des geschätzten Erblassers verpufft. Will er sicher gehen, muss er die Testamentsvollstreckung anordnen und einen Testamentsvollstrecker bestimmen. Oft wird diese Aufgabe Anwälten übertragen Dieser Beitrag informiert …

 

 

 

• Welche Aufgabe hat ein Testamentsvollstrecker?
• Wie wird ein Testamentsvollstrecker bestimmt?
• Was tut der Testamentsvollstrecker, wenn der Erbfall eintritt?
• Welche Rechte haben Erben bei der Testamentsvollstreckung?
• Welche Verantwortung bringt die Testamentsvollstreckung mit sich?
• Wie wird die Testamentsvollstreckung vergütet?

Welche Aufgabe hat ein Testamentsvollstrecker?

Testamentsvollstrecker werden vom Erblasser beauftragt, dessen letztwillige Verfügung umzusetzen und seinem Willen über den Tod hinaus Geltung zu verschaffen. Er soll den Nachlass sachkundig verwalten und dessen Auseinandersetzung betreiben. Dazu kann ihn der Erblasser umfassend beauftragen oder auch nur mit einzelnen Aufgaben betrauen (§§ 2202 ff BGB). Die Anordnung der Testamentsvollstreckung kommt insbesondere bei mehreren Erben in Betracht, aber auch bei einem einzigen Erben, wenn der Nachlass nach bestimmten Wünschen des Erblassers verwaltet werden soll.  Alternativ kann der Erblasser eine über den Tod hinausgehende (transmortale) oder erst mit seinem Ableben wirksam werdende (postmortale) Vollmacht erteilen, die sich auf den gesamten Nachlass oder nur einzelne Vermögensgegenstände beziehen kann.

Wie wird man Testamentsvollstrecker?

Testamentsvollstrecker wird, wer durch Testament  oder Erbvertrag mit dem Amt beauftragt wird. Voraussetzung ist nur, dass der Erblasser dieser Person vertraut und ihr die Aufgabe zutraut. Irgendeine Qualifikation wird nicht verlangt, ist aber je nach Anforderung ratsam. Es besteht keine Verpflichtung, das Amt zu übernehmen. Die vorherige Absprache ist daher zweckmäßig. Mit der Erklärung, er werde das Amt annehmen, erteilt das Nachlassgericht dem Testamentsvollstrecker ein Zeugnis, mit dem er seine Befugnisse nachweisen kann. Der Testamentsvollstrecker handelt in eigener Verantwortung.

Was tut der Testamentsvollstrecker, wenn der Erbfall eintritt?

Mit Eintritt des Erbfalls nimmt der Testamentsvollstrecker den Nachlass in Besitz und stellt die vorhandenen Vermögenswerte und Nachlassverbindlichkeiten fest. Verbindlichkeiten (fällige Rechnungen, laufende Kosten, Beerdigungskosten) werden bezahlt. Bei hohen Vermögenswerten ist die Erbschaftssteuererklärung abzugeben und eine sich eventuell entstehende Erbschaftssteuer zu bezahlen. Der Testamentsvollstrecker muss persönlich dafür einstehen, Erbschaftssteuerverbindlichkeiten zu erfüllen. Bilden mehrere Erben eine Erbengemeinschaft, erstellt der Testamentsvollstrecker nach den Vorgaben des Erblassers einen Auseinandersetzungsplan (Abwicklungsvollstreckung). Im Übrigen handelt er nach pflichtgemäßem Ermessen und kann gemeinsam mit sämtlichen Erben auch gegen einen entgegenstehenden Willen des Erblassers Verfügungen treffen. Erstellen die Erben einen eigenen Teilungsplan, sind deren Wünsche für den Testamentsvollstrecker nicht verbindlich. Kraft seines Amtes ist es vornehmlich seine Aufgabe, den Auseinandersetzungsplan auszuführen. Ist der Nachlass verteilt, endet sein Amt. Statt der reinen Abwicklungsvollstreckung kann der Erblasser auch eine Verwaltungs- und Dauervollstreckung anordnen. Dann besteht die Aufgabe darin, bestimmte Vermögensteile (Vermietung und Verwaltung einer Immobilie) oder Rechte (Ausübung der Stimmrechte in einer GmbH Gesellschafterversammlung) zu verwalten.

Welche Rechte haben Erben bei der Testamentsvollstreckung?

Da die Verwaltung des Nachlasses dem Testamentsvollstrecker obliegt, dürfen die Erben nicht über Nachlassgegenstände verfügen. Verkauft ein Miterbe aus dem Nachlass einen PKW, erwirbt der Käufer trotz seines guten Glaubens kein Eigentum. Der Testamentsvollstrecker kann den Vermögensgegenstand zurückfordern. Jeder einzelne Erbe kann die Erbschaft ausschlagen.

Welche Verantwortung bringt die Testamentsvollstreckung mit sich?

Testamentsvollstrecker haben eine verantwortungsvolle Aufgabe, die oft mit hohen emotionalen Belastungen verbunden ist. Das anvertraute Vermögen ist pflichtgemäß zu verwalten. Der Testamentsvollstrecker haftet für jede schuldhafte Verletzung seiner Pflicht und ist im Schadensfall gegenüber den Erben schadensersatzpflichtig. Er darf aus dem Nachlass heraus keine Geschäfte mit sich selbst tätigen. Verfügungen über den Nachlass müssen einer „ordnungsgemäßen Verwaltung“ entsprechen (Renovierung einer Mietimmobilie). Oft bestreiten Erben bestimmte Verfügungen, wenn sie glauben, ihre wirtschaftlichen Interessen würden dabei nicht berücksichtigt. Wird dem Testamentsvollstrecker eine grobe Pflichtverletzung oder die Unfähigkeit zur ordnungsgemäßen Verwaltung des Nachlasses vorgeworfen, kann das Nachlassgericht ihn auf Antrag des Erben oder der Erbengemeinschaft aus wichtigem Grund abberufen.

Wie wird die Testamentsvollstreckung vergütet?

Der Testamentsvollstrecker kann verlangen, dass ihm aus dem Nachlass seine Auslagen ersetzt werden. Meist erhält er ein angemessenes Honorar, sofern seine Tätigkeit nicht ausdrücklich als unentgeltlich bestimmt wurde. Auch Pauschalhonorare oder nachlasswertorientierte Honorare sind möglich.

 

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