Büroalltag – Wenn die Arbeitszeit zur Privatbeschäftigung wird!

Büroalltag – Wenn die Arbeitszeit zur Privatbeschäftigung wird!

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Auch im Beruf gilt die Treuepflicht. Sie verpflichtet Arbeitnehmer, Pflichten und Rechte aus dem Arbeitsvertrag so auszuüben, dass der Arbeitgeber nicht geschädigt wird. Der Arbeitgeber bezahlt den Arbeitnehmer dafür, dass er für ihn arbeitet. Privatbeschäftigungen sind wenig dienlich. Sie rauben Arbeitszeit.

 

 

Arbeitszeit sollte als solche verstanden werden

Das „Wall Street Journal“ (8.11.2014) berichtete unter Bezugnahme auf den Soziologen Roland Paulsen von der Universität Lund, dass Arbeitnehmer statistisch gut zwei Stunden ihrer Arbeitszeit mit privaten Angelegenheiten verbringen. Vor allem die Verführungen des Internet erweisen sich kontraproduktiv. In USA erfolgen 60 % der Onlinekäufe zwischen 9 – 17 Uhr, 70 % der Internetnutzung entfallen auf Sexseiten. Viel Zeit geht mit Lesen und Schreiben privater E-Mails, Besuchen in sozialen Netzwerken oder Lesen von Nachrichtenseiten verloren. Aber auch das reine Nichtstun, der verlorene Blick aus dem Fenster, kurze Nickerchen, Unterhaltung mit Arbeitskollegen, Telefonate mit den Liebsten zu Hause oder das Schreiben von Liebesbriefen oder Gedichten gehört zum Berufsalltag.

Job ist Job, Freizeit ist Freizeit

Ausgangspunkt jeglicher Einschätzung ist: Arbeit ist Arbeit und privat ist privat. Wer ernsthaft arbeitet, kann sich nicht mit privaten Angelegenheiten beschäftigen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass Computer, Telefon und Internet während der Arbeitszeiten auch nur dienstlich benutzt werden dürfen. Aus der Sicht des Arbeitgebers erbringt nur derjenige Arbeitnehmer die arbeitsvertraglich vereinbarten Pflichten, der sich zu 100 % mit seiner Aufgabe beschäftigt. Alles andere raubt Arbeitszeit. Naturgemäß ist die Grenzziehung schwierig. Der Arbeitnehmer dürfte ausnahmsweise auch dann noch dienstlich handeln, wenn er wegen Überstunden zu Hause anruft, dass er später nach Hause kommt. Wer am Büroplatz eine private Paketlieferung annimmt, handelt nicht im Interesse des Arbeitgebers. Wer die Blumen auf dem Fensterbrett gießt oder seinen Schreibtisch aufräumt, handelt wenigstens in Bezug auf seinen Arbeitsplatz. Das Schwätzchen mit Kollegen dürfte ebenfalls noch arbeitsbezogen sein, sofern es sich in Grenzen hält und nicht in unproduktive Plauderei ausartet und die eigentliche Arbeitserledigung verzögert. Wer private Angelegenheiten erledigen möchte, sollte dies mit dem Arbeitgeber abklären. Verständige Arbeitgeber zeigen sich offen. Letztlich bestimmt auch hier die gegenseitige Fairness den Umgangston. Wer jedoch den Eindruck erweckt, er faulenze, wird wenig Verständnis erwecken. Da die Problematik des Internetsurfens offensichtlich ist, gibt es in vielen Unternehmen klare Regeln im Arbeitsvertrag, was erlaubt ist und was nicht.

Kündigung möglichst nur nach Abmahnung

Beanstandet der Arbeitgeber eine Freizeitbeschäftigung während der Arbeitszeit, muss er den Arbeitnehmer regelmäßig abmahnen. Erst wenn der Arbeitnehmer die Abmahnung beharrlich ignoriert, kommt die verhaltensbedingte ordentliche oder in schwerwiegenden Fällen die fristlose Kündigung in Betracht. Belädt ein Kraftfahrer seinen Lkw mit privaten Gegenständen, muss er abgemahnt werden (LAG Rheinland-Pfalz 10 Sa 209/08). Gleiches gilt, wenn der Arbeitnehmer privat surft (ArbG Frankfurt 5 Ca 4459/00). Das Bundesarbeitsgericht (2 AZR 581/04) beurteilte hingegen eine fristlose Kündigung als wirksam, nach der ein Arbeitnehmer über mehrere Tage hinweg während der Arbeitszeit mehr als eine Stunde privat im Internet weilte. Die private Nutzung sei „ausschweifend“ gewesen und habe die Arbeitsleistung in erheblichem Maße beeinträchtigt.

Arbeitspausen dienen Erholungszwecken

Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, seine volle Arbeitskraft für die Interessen des Arbeitgebers einzusetzen. Um dies zu gewährleisten, bestimmt das Arbeitszeitgesetz Ruhepausen. Bei mehr als 6 bis 9 Stunden Arbeitszeit besteht Anspruch auf 30 Minuten Ruhepause. Bei mehr als 9 Stunden, stehen 45 Minuten zu. Die Ruhepausen können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Raucher  haben keinen Rechtsanspruch, alle zwei Stunden eine Pause von fünf Minuten einzulegen. Eine derartige Stückelung der Arbeitszeit wäre dem Betriebsklima nicht unbedingt dienlich. Beschäftigt sich der Arbeitnehmer in der Ruhepause mit privaten Dingen, dürfte ein Arbeitgeber kaum Einwände haben, soweit sie den Erholungszweck nicht direkt beeinträchtigen.

 

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