Rechtsschutzversicherung – Streit ohne Risiko?

Rechtsschutzversicherung – Streit ohne Risiko?

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Rechtsschutzversicherte Mandanten sind des Anwalts Liebling. Richtig ist, dass sich der Anwalt keine Sorgen über sein Honorar machen muss. Wichtig ist auch, dass die Rechtsschutzversicherung teils erhebliche Lücken hat und beileibe nicht jedes Risiko abdeckt. Gerade in Rechtsstreitigkeiten ist das Kostenrisiko ein entscheidender Faktor.

 

 

 

• Wie ist das Risiko eines Rechtsstreits einzuschätzen?
• Welche sind Versicherungen vorrangig?
• Was deckt eine Rechtsschutzversicherung ab?
• Was deckt eine Rechtsschutzversicherung nicht ab?
• Wie wird Selbstbeteiligung kalkuliert?
• Wann sind Rechtsschutzversicherungen überflüssig?
• Was ist von „Rundum-sorglos-Paketen“ zu halten?

Das Risiko eines Rechtsstreits ist individueller Natur

In 2012 bearbeiteten die Rechtsschutzversicherer vier Millionen juristische Streitfälle. Die Statistik besagt damit aber nicht, dass jedem Bürger eine Rechtsschutzversicherung zu empfehlen wäre. Der Bedarf hängt von der persönlichen Situation ab, Beteiligter eines Rechtsstreits zu werden. Laut Versichererverband GDV entfielen 2013 26 % der gemeldeten Rechtsschutzfälle auf das Verkehrsrecht, 15 % auf Arbeitsrecht, 32 % auf Privatrechtsfälle und 26 % auf das Miet-, Wohnungs- und Grundstücksrecht.

Die Risikobeurteilung sollte die potentiellen Streitwerte im Blick haben. Wer viel mit dem Auto unterwegs, ist wegen des Risikos eines Verkehrsunfalls mit einer reinen Verkehrsrechtschutzversicherung gut bedient. Vermieter sollten sich gegen Mietstreitigkeiten absichern. Da Arbeitnehmer in Arbeitsstreitigkeiten z.B. bei einem Gehaltsausfall  ihre Anwaltskosten beim Arbeitsgericht selbst tragen müssen, kann Berufsrechtsschutz durchaus sinnvoll sein. Wer vorwiegend zuhause lebt und kein besonderes Risiko hat, kann es darauf ankommen lassen. Auch wer versichert ist, muss bedenken, dass die Versicherer Streithansel nicht so gern sehen. Sie kündigen die Verträge zügig. Eine Rechtsschutzversicherung sollt echte Vorsorge sein und nicht als Mittel zum Zweck missbraucht werden.

Was decken Rechtsschutzversicherungen ab und vor allem was decken sie nicht ab?

Im Privat- und Berufsrechtsschutz sind Streitigkeiten über Kaufverträge versichert, solche mit Handwerkern über mangelhafte Leistungen, mit Reiseveranstaltern wegen Reisemängel, nicht aber Streitigkeiten wegen Kapitalanlagen und Kredite, Bürgschaften oder die Einforderung von Gewinnzusagen. Auch Fragen des Sozial- und Steuerrechts bleiben außen vor. Im Strafrechtsbereich besteht Rechtsschutz für Verkehrsdelikte und Ordnungswidrigkeiten, nicht aber für Straftaten, die vorsätzlich begangen werden. Versichert ist das Einfordern von Schadensersatz, wenn ein Dritter die Gartenmauer zerstört, nicht aber die Abwehr von Schadensersatzansprüchen im Urheberrecht (Abmahnung wegen illegalen Downloads von Musikstücken). Keinen Rechtsschutz gibt es für erbrechtliche und familienrechtliche Streitigkeiten, soweit sie über die anwaltliche Erstberatung hinausgehen. Ausgeschlossen sind Streitigkeiten im Zusammenhang mit Baumaßnahmen und Grundstücken. Streitigkeiten im Zusammenhang mit selbstständigen, freiberuflichen oder gewerblichen Tätigkeiten erfordern den Abschluss einer speziellen Gewerberechtsschutzversicherung. Weitere gesondert einzubeziehende Versicherungsbauteile sind der Verkehrsrechtsschutz sowie der Wohn- und Vermieterrechtsschutz.

Selbstbeteiligung einkalkulieren

Da der Versicherungsnehmer eine Selbstbeteiligung (z.B. 150 €) trägt, rentiert sich eine Versicherung nicht, wenn der neue Fernseher nicht funktioniert und der Anspruch wegen der Gewährleistungshaftung relativ einfach durchzusetzen ist. Wer seinem Arzt hingegen vorwirft, die Hüftprothese in der falschen Hüfte eingesetzt zu haben, ist wegen des hohen Streitwerts in der Situation, die Prozesskosten vorfinanzieren zu müssen. Muss ein Gutachter beauftragt werden, fallen Vorschüsse an. Kann der Rechtsuchende diese nicht vorfinanzieren, hat er zwar Recht, bekommt aber sein Recht nicht.

Wann ist eine Rechtsschutzversicherung überflüssig?

Gewerkschaftsmitglieder haben meist Berufsrechtsschutz, Mitglieder von Mietervereinen Mieterrechtsschutz. Wird ein Schädiger auf Schadensersatz in Anspruch genommen, greift die Privathaftpflichtversicherung und bei Verkehrsunfällen die Kfz-Haftpflichtversicherung. Bei Abschluss einer Versicherung ist regelmäßig eine dreimonatige Wartezeit einzukalkulieren, so dass Rechtsschutz nur Fälle erfasst, die nach der Wartezeit anfallen. Aktuelle Fälle lassen sich nicht noch mal eben versichern. Problematisch sind sogenannte „Rundum-sorglos-Pakete“. Diese suggerieren einen Rechtsschutz, der aufgrund der vielfältigen Ausschüsse die totale Absicherung nur vorgaukelt.

 

Rechtsschutzversicherung brechnen und vergleichen

1 Kommentar

  1. volker berger

    Rechtschutz ist keine Vollkasko. Ein informativer Artikel. Wahrheiten müssen ungeschminkt sein.

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