Mit den Anwaltskosten im Griff ist jede Rechtsberatung ein Gewinn!

Anwaltskosten – Was kostet ein Anwalt?

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 Recht haben und Recht bekommen, sind zwei Paar Schuhe. Kaum ein Rechtsuchender findet sich im Dschungel des Rechts zurecht. Will er eine Rechtsfrage zuverlässig beurteilen,  braucht er einen Rechtsanwalt. Muss ein Rechtsstreit vor dem Familiengericht oder Landgericht, Oberlandesgericht oder gar Bundesgerichtshof ausgetragen werden, ist er aufgrund  des an diesen Gerichten bestehenden Anwaltszwangs ohnehin gezwungen, sich anwaltlich vertreten zu lassen. Die Entscheidung, einen Anwalt um Rat zu fragen oder sich vertreten zu  lassen, fällt leichter, wenn der Rechtsuchende weiß, was ein Anwalt kostet. Der Textbeitrag informiert, nach welcher Maßgabe sich die Anwaltskosten berechnen sowie über die  Gebühren für …

• ein Beratungsgespräch
• die außergerichtliche Vertretung
• die gerichtliche Vertretung

Wie berechnen sich Anwaltsgebühren?

Anwälte berechnen ihre Gebühren nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG). Das Gesetz bestimmt Mindestgebühren. Anwälte sind Organe der Rechtspflege. Damit sie ihre Aufgabe erfüllen können, sind nicht kostendeckende Dumpingpreise verboten. Anwälte dürfen allerdings über die Mindestgebühren hinaus ein zusätzliches Honorar (Zeithonorar nach Stundensatz, Pauschale) verlangen, wenn sie sich ihre besondere Kompetenz oder die besonders schwierige Sach- und Rechtslage abgelten lassen möchten.In zivilrechtlichen Angelegenheiten berechnen sich die Anwaltskosten nach dem Gegenstandswert oder Streitwert. Teils enthält das Gesetz konkrete Vorgaben. So bestimmt § 41 GKG den Streitwert in Mieträumungssachen nach der Jahresmiete. Der Streitwert wiederum bestimmt die Gerichts- und Anwaltsgebühren. So setzt die anwaltliche Gebührentabelle nach § 13 Anlage 2 RVG bei Gegenstands- /Streitwerten bis 500 € eine Grundgebühr von 45 €, bei 5.000 € – 303 € oder bei 10.000 € – 558 € fest. Mit zunehmenden Werten steigen die Gebühren. Der Anwalt kann dann, je nachdem welche Tätigkeit er für den Mandanten entfaltet, verschiedene Gebühren berechnen (z.B. Geschäftsgebühr, Verfahrensgebühr, Vergleichsgebühr). Hilfreich ist die Inanspruchnahme eines Gebührenrechners, vorausgesetzt, der Nutzer kann das Ergebnis interpretieren.

Kosten für eine Beratung

Benötigt der Mandant lediglich eine anwaltliche Beratung oder eine Auskunft, berechnet der Anwalt in Abhängigkeit vom Schwierigkeitsgrad Anwaltskosten bis zu höchstens 190 € zuzüglich Mehrwertsteuer. Soll er zur Einschätzung der Rechtslage ein Gutachten erstatten, darf er bis zu 250 € verlangen. Eine höhere Beratungspauschale kann ausdrücklich vereinbart werden. Ist der Mandant bedürftig, kann er bei Gericht Beratungshilfe beantragen. Dann übernimmt die Staatskasse die Anwaltskosten (Selbstbehalt des Mandanten = 15 €).

Kosten für die außergerichtliche Vertretung

Soll der Anwalt über die reine Beratung hinaus tätig werden und den Mandanten außergerichtlich vertreten z.B. bei einer Kündigung oder einem Arbeitsvertrag, einer Zahlungsaufforderung oder einer Abmahnung richten sich die Gebühren nach Anlage 1 Nummer 2300 ff des Vergütungsverzeichnisses RVG. Die Gebühren sind Rahmengebühren und liegen je nach Arbeitsaufwand  zwischen 0,5 bis 2,5 der Grundgebühr  (Gebührentabelle des § 13 Anlage 2 RVG). Im Regelfall wird der Anwalt eine Mittelgebühr von 1,3 in Rechnung stellen. Einen höheren Gebührenansatz muss er rechtfertigen. Für einfache Schreiben kommt meist nur eine Gebühr von 0,3 in Ansatz.

Kosten für die gerichtliche Vertretung

Scheitert die außergerichtliche Regelung und vertritt der Anwalt den Mandanten vor Gericht, berechnet er für die Einreichung einer Klageschrift oder Klageerwiderung eine 1,3-fache Verfahrensgebühr. Die außergerichtlich angefallene Geschäftsgebühr wird zur Hälfte, maximal bis zum 0,7-fachen angerechnet. Muss er den Mandanten in Gerichtstermin vertreten, kommt eine weitere 1,2-fache Termingebühr in Ansatz. Schließt er einen Vergleich, fällt eine weitere 1,0-fache Vergleichsgebühr an. Neben den Anwaltskosten sind auch noch die Gerichtsgebühren zu berücksichtigen. Auch diese bestimmen sich nach dem Streitwert. Ist der Mandant bedürftig, kann er Prozesskostenhilfe beantragen. Dann übernimmt die Staatskasse Anwaltskosten und Gerichtsgebühren. In Abhängigkeit von seinen Vermögensverhältnissen muss der Mandant  die verauslagten Gerichtsgebühren und Anwaltskosten an die Staatskasse ratenweise erstatten.

Beispiel für eine Kostenrechnung

Wird der Mieter zur Zahlung verurteilt, muss er die Kosten des Vermieteranwalts übernehmen. Bei Klageabweisung trägt der Vermieter die Verfahrenskosten. Wird ein Vergleich geschlossen, kann auch über die Kosten verhandelt werden. Soweit der Vermieter eine Rechtsschutzversicherung besitzt, die Mietrechtsstreitigkeiten abdeckt, kann sein Rechtsanwalt seine Gebühren (Vorschüsse, Klageabweisung, Kostenvergleich) über die Versicherung abrechnen.

1 Kommentar

  1. Sebastian K

    Danke für diesen Beitrag! Ich glaube, dass viele Menschen gar nicht wissen, was ein Anwalt kostet oder denken es muss immer sehr viel sein und sich deswegen selten an Anwälte wenden.
    Viele Grüße, Sebastian

    Antworten

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